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Gemeinderat · 30.07.2026

Eigentlich hätten wir NEIN sagen müssen – warum wir den teuren Rundbänken trotzdem zugestimmt haben

Fast 50.000 Euro für vier Rundbänke, Zweifel an der tatsächlichen Schattenwirkung und aus unserer Sicht gibt es günstigere Alternativen – und trotzdem haben wir zugestimmt. Denn manchmal muss man eine Entscheidung auch mit den Augen der Kinder betrachten.

Vier neue Rundbänke sollen künftig den Pausenhof der Grundschule Kissing aufwerten. In die Bänke sind große Pflanzgefäße integriert, in denen jeweils ein Baum gepflanzt werden soll.

Allein die vier Rundbänke mit ihren Pflanzgefäßen kosten fast 50.000 Euro. Bäume, Bepflanzung und weitere Kosten kommen noch hinzu.

Eigentlich eine Entscheidung, bei der wir drei AfD-Gemeinderäte aufgrund der hohen Kosten und unserer Zweifel am tatsächlichen Nutzen hätten mit Nein stimmen müssen.

Trotzdem haben wir zugestimmt.

Warum?

Weil Kommunalpolitik manchmal bedeutet, nicht nur auf eine einzelne Ausgabe zu schauen, sondern auch darauf, was am Ende für unsere Kinder übrig bleibt.

Fast 50.000 Euro – allein für vier Rundbänke

Natürlich wünschen auch wir uns einen schönen Pausenhof, auf dem sich unsere Kinder wohlfühlen.

Aber fast 50.000 Euro allein für vier Rundbänke sind eine enorme Summe.

Das Gesamtprojekt wird zwar über das LEADER-Programm gefördert. Dennoch verbleibt für unsere Gemeinde ein Eigenanteil von über 40.000 Euro.

Eine Förderung ist grundsätzlich erfreulich und entlastet den Gemeindehaushalt. Aber auch Fördermittel sind letztlich Steuergeld. Deshalb muss auch bei einem geförderten Projekt die Frage erlaubt sein:

Stehen Kosten, Folgekosten und tatsächlicher Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis?

Wir haben daran erhebliche Zweifel.

Schönes Holz – aber ist es für einen Pausenhof die wirtschaftlichste Lösung?

Die geplanten Rundbänke sehen zweifellos ansprechend aus. Doch ein Pausenhof ist kein repräsentativer Rathausvorplatz. Die Sitzgelegenheiten werden dort täglich von vielen Kindern intensiv genutzt.

Holz ist im Außenbereich Sonne, Regen, Frost und Feuchtigkeit ausgesetzt. Je nach Holzart und gewünschtem Zustand müssen die Oberflächen gereinigt, gepflegt oder irgendwann aufgearbeitet werden.

Hinzu kommt der ganz normale Alltag auf einem Schulhof: Dort wird gespielt, geklettert und ausprobiert. Gerade wenn überall Steine herumliegen, kann natürlich auch einmal einer davon über eine Holzoberfläche gezogen werden. Das ist kein Vorwurf an unsere Kinder – das ist schlicht Schulhof.

Deshalb hätten wir uns zumindest einen ernsthaften Vergleich mit einfachen und robusten Metallbänken gewünscht.

Metall mag auf den ersten Blick weniger natürlich und ökologisch wirken als Holz. Bei geeigneter Ausführung kann es an einem stark beanspruchten Standort jedoch sehr langlebig und wartungsarm sein.

Vor allem aber hätten für das zur Verfügung stehende Geld wesentlich mehr Sitzmöglichkeiten für die Kinder geschaffen werden können.

Wirtschaftliches Handeln bedeutet für uns deshalb nicht, einfach die billigste Bank zu kaufen. Es bedeutet, Anschaffung, Haltbarkeit, Pflege, Reparaturen und tatsächlichen Nutzen über viele Jahre miteinander zu vergleichen.

Doch selbst der hohe Preis ist für uns nicht der größte Widerspruch dieser Entscheidung.

Vier neue Schattenspender – aber wie viel Schatten entsteht tatsächlich?

In der Sitzung wurde immer wieder die schattenspendende Wirkung der vier neuen Bäume hervorgehoben.

Natürlich begrüßen auch wir Bäume und Schatten auf einem Pausenhof. Gerade an heißen Sommertagen sind schattige Aufenthaltsbereiche für unsere Kinder wichtig.

Nur sollte man realistisch bleiben.

Die vier Bäume werden nicht mit großem Wurzelraum frei in den Boden gepflanzt, sondern stehen in Pflanzgefäßen innerhalb der Rundbänke.

Die Bayerische Landesanstalt für Gartenbau weist bei Gehölzen in Kübeln darauf hin, dass deren Wuchs aufgrund des begrenzten Wurzelraums deutlich geringer ausfällt. Gleichzeitig steigt insbesondere in trockenen Perioden der Bewässerungsbedarf.

Natürlich werden auch diese vier Bäume Schatten erzeugen. Je nach Sonnenstand wird davon der eine oder andere Bereich der Rundbänke profitieren.

Aber aus vier Bäumen in Pflanzgefäßen werden auf absehbare Zeit keine vier mächtigen Schattenspender.

Mit der Schattenwirkung großer, über Jahrzehnte gewachsener Bäume ist das kaum vergleichbar.

Und genau hier beginnt für uns der eigentliche Widerspruch.

Die besten Schattenspender stehen nämlich schon auf dem Pausenhof

Auf dem heutigen Pausenhof gibt es bereits das, was wir uns für unsere Kinder wünschen:

große, über viele Jahre gewachsene Bäume.

Sie müssen nicht erst jahrelang wachsen.

Sie stehen nicht in Pflanzgefäßen.

Und über ihre Schattenwirkung müssen wir nicht diskutieren.

Sie spenden diesen Schatten bereits heute.

Doch genau auf diesem Pausenhof soll die neue Grundschule entstehen.

Für den geplanten Neubau wird sich der heutige Pausenhof erheblich verändern. Dabei werden auch große, gewachsene Bäume weichen müssen.

Und deshalb fällt es uns schwer, die Diskussion um die vier neuen „Schattenspender“ isoliert zu betrachten.

Auf der einen Seite wird die zukünftige Schattenwirkung von vier neuen Bäumen in Pflanzgefäßen hervorgehoben. Auf der anderen Seite nimmt man für den geplanten Schulneubau in Kauf, dass große, gewachsene Bäume verschwinden, die genau diesen Schatten bereits heute spenden.

Wer die Bedeutung von Bäumen und natürlichem Schatten hervorhebt, sollte aus unserer Sicht deshalb auch über den Wert der Bäume sprechen, die bereits vorhanden sind.

Denn einen großen, über Jahrzehnte gewachsenen Baum kann man nicht einfach durch einen neuen Baum im Pflanzgefäß ersetzen.

Und warum haben wir trotzdem zugestimmt?

Genau das war für uns die schwierige Frage.

Eigentlich hätten wir sagen müssen:
Zu teuer. Zu wenig Sitzplätze für das eingesetzte Geld. Zweifel an der langfristigen Schattenwirkung. Wir stimmen dagegen.

Aber dann bleibt die Frage, was damit für die Kinder gewonnen wäre.

Wenn der geplante Schulneubau tatsächlich auf dem heutigen Pausenhof verwirklicht wird, wird sich dieser massiv verändern. Ein erheblicher Teil des heute gewachsenen und spielerisch gestalteten Pausenhofes wird dem Neubau weichen.

Und damit standen wir vor einer Abwägung, die uns nicht leichtgefallen ist:

Stimmen wir aus finanzieller Überzeugung gegen vier aus unserer Sicht viel zu teure Rundbänke – oder stimmen wir dafür, damit den Kindern wenigstens diese vier neuen Bäume und Sitzplätze bleiben?

Wir haben uns für Letzteres entschieden.

Wir haben wegen der Kinder zugestimmt.

Nicht weil uns der Preis überzeugt hätte.

Nicht weil unsere Kritik an der gewählten Lösung verschwunden wäre.

Und auch nicht, weil wir vier Bäume in Pflanzgefäßen für einen Ersatz der heutigen großen Bäume halten.

Unsere Zustimmung war kein Ja zum Preis. Sie war ein Ja für die Kinder.

Manchmal ist ein Ja eben keine Zustimmung zu allem

Opposition bedeutet für uns nicht, grundsätzlich Nein zu sagen.

Wir werden weiterhin genau hinschauen, wie mit dem Geld der Kissinger Bürgerinnen und Bürger umgegangen wird. Und wir werden auch weiterhin darauf hinweisen, wenn wir der Meinung sind, dass eine wirtschaftlichere oder bessere Lösung möglich gewesen wäre.

Fast 50.000 Euro allein für vier Rundbänke halten wir nach wie vor für schwer vermittelbar.

Aber Kommunalpolitik bedeutet manchmal auch, zwischen zwei Möglichkeiten abzuwägen, von denen man keine wirklich gut findet.

In diesem Fall war für uns entscheidend, was am Ende für die Kinder übrig bleibt.

Wenn ihnen durch den geplanten Schulneubau bereits ein großer Teil ihres heutigen Pausenhofes und seines gewachsenen Grüns verloren geht, wollten wir nicht diejenigen sein, die ihnen am Ende auch noch diese vier neuen Bäume und Sitzplätze nehmen.

Deshalb haben wir zugestimmt.

Unser Fazit

Wir wünschen uns eine gute und moderne Schule für Kissing. Aber zu einer guten Schule gehört für uns nicht nur das Gebäude.

Dazu gehört auch ein Pausenhof, auf dem Kinder spielen, sich bewegen, zusammensitzen und im Sommer unter echten Bäumen Schatten finden können.

Vier neue Bäume sind schön.

Große vorhandene Bäume zu erhalten, wäre noch schöner.

Und wenn wir Geld ausgeben, sollten wir immer versuchen, für unsere Kinder und unsere Gemeinde möglichst viel daraus zu machen.

Dafür werden wir uns auch weiterhin einsetzen.